Nationalparkland Österreich

Anläßlich der 25 Jahre Nationalparks in Österreich-Feierlichkeiten, ein paar kritische, hinterfragende, vielleicht auch unbequeme Gedanken.
In Österreich gibt es so etwa sechs Nationalparks (sieben Gebiete nennen sich Nationalpark und der größte besteht eigentlich aus drei, sehr unterschiedlich verwalteten Teilen – wir könnten also auch von neun Nationalparks sprechen).
Sind wir froh darüber?
Natürlich, sehr sogar, aber…
Aber was sich in und um die Nationalparks abspielt, ist zumindest diskussionswürdig – da träumen manche von Erschließungen durch Seilbahnen, oder der Reaktivierung von Eisenbahnen, andere planen Kraftwerke, und noch andere denken nur an die flächendeckende Versorgung für Mobiltelefonbenutzer. Da sind die Eingriffe der Naturbeauftragten noch gar nicht erwähnt.
Es stellt sich wohl die grundlegende Frage, wie wir Nationalpark definieren. Wenn es regionale Rückzugsgebiete für Tiere und Pflanzen sein sollen, müssen wir noch eine weitere Frage beantworten: soll der Ist-Zustand erhalten werden, oder dürfen natürliche Prozesse zum Tragen kommen?
Und genau an dieser Frage scheiden sich die diversen Geister. Für die „Macher“, die glauben alles „managen“ zu können und zu müssen(!), ist das oberste Gebot der Erhalt einer touristisch und sonst wie nutzbaren Idylle, die sich nur ja nicht verändern soll. Und im Kampf gegen natürliche Veränderungen, vorallem, wenn ihre Auswirkungen nicht absehbar sind, scheuen sie keine Mühen und Kosten – da wird störendes Schilf gemäht und Brände werden aufwendig, aber wenig wirkungsvoll bekämpft, da wird willkürlich, nein jagdgesetzlich vorgeschrieben in Wildtierpopulationen eingegriffen und forstlich ganz munter, nach eigenen Vorstellungen verändert – aufgelichtet, gefällt, ausgeräumt – da werden Futterplätze eingerichtet und Haustiere auf die „Weide“ geschickt. Bestehende Nutzungsrechte dürfen nicht angetastet werden, doch neue sollen hinzukommen. Und das muß natürlich alles „gemanaged“ werden. 

Für viele der angeschnittenen Fragen und Probleme gäbe es eine einfache Antwort, die jedoch tief in bestehende Nutzungsverhältnisse eingreifen würde – wie es sich auch in anderen Nationalparks weltweit zeigt, ist es nur sinnvoll ganze Lebensräume zu schützen und nicht ein paar abtretbare Restflächen, in denen sich dann die Probleme häufen.
Betrachten wir den Nationalpark Hohe Tauern, so besteht er, wie ein Blick auf die Karte zeigt, überwiegend aus, für den Menschen wenig nutzbaren, hochalpinen Regionen. Was fehlt, sind die Tallagen. Oder nehmen wir den Nationalpark Donauauen, das schmale grüne Auwaldband entlang der Donau. Was fehlt, ist ein ausreichendes Hinterland.
Tiere, vorallem die großen Säugetiere, aber nicht nur die, wechseln je nach Jahreszeit ihre Standorte um unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen. Willkürlich, vom Menschen gezogene Grenzen, berücksichtigen diese Bedürfnisse nicht, lassen natürliche Veränderungen nicht zu und schaffen durch künstliche Eingriffe ein Naturidyll, das es so nicht geben würde.
Wie wirbt der NP Hohe Tauern:

Entdecken Sie eine Region, in der „Natur pur“ tatsächlich erlebbar ist. 

Natur pur, aber nur solange es ihnen gefällt – sonst müssen sie leider steuernd, lenkend, verändernd eingreifen!
Was es bedeutet in einem Nationalpark die Natur gestalten zu lassen und mit welchen Auseinandersetzungen und Schwierigkeiten zu rechnen ist, davon können die Mitarbeiter des deutschen NP Bayerischer Wald, die es gewagt haben dem massenhaften Auftreten des Borkenkäfers in den Windwurfflächen der Fichten-Monokulturen nicht entgegenzutreten, beziehungsweise die Mitarbeiter des amerikanischen NP Yellowstone, die es wagten einen Waldbrand nicht zu bekämpfen, erzählen.

Wenn wir der Natur eine Chance geben wollen, sollten wir ihr ausreichende Flächen zur Verfügung stellen (die bestehenden NP-Flächen stellen nicht einmal 3(!)% der österreichischen Staatsfläche dar) und sie dort einmal in Ruhe wirken lassen und die Veränderungen beobachten um dadurch unser kaum vorhandenes Wissen über Entwicklungen aufzubauen und größere, weitreichende Zusammenhänge erkennen zu können.

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