Artgerecht – was ist das? (Teil 1)

Was wissen wir über die heutige Landwirtschaft, was wissen wir über ihre Methoden oder ihren Umgang mit Tieren? 

Viel zu wenig!!!

Von Zeit zu Zeit schrecken Skandale (Gammelfleisch) oder höchst unerfreuliche Berichte (Tiertransporte) auf, aber sehr schnell wenden wir uns wieder „wichtigeren“ Themen zu.
Außerdem hat doch jeder Mensch – stop, so dürfen wir das nicht formulieren – wenn ein Mensch heute überhaupt noch ein Bild der Landwirtschaft hat, denn viele haben mittlerweile gar keines mehr, dann ist es doch meist nach wie vor das der ländlichen Idylle, das eines kleinen Bauernhofes, der über ein paar Feldern und Wiesen verfügt und auf dem sich noch sämtliche Tiere tummeln, vom flauschigen Küken bis zur stattlichen Kuh, von der mäusejagenden Katze bis zum krähenden Hahn. Das sitzt tief und hilft sich nicht mit der Realität konfrontieren zu müssen.

Doch in den letzten 50 Jahren haben sich ziemlich unbemerkt drastische, ja beschämende Veränderungen in der Landwirtschaft breitgemacht.

Eine dieser Veränderungen, dieser „Verbesserungen“ betrifft die Tierhaltung – unter dem Stichwort Intensivierung wurden fühlende, denkende, leidensfähige Wesen zu gequälten, stumpf dahinvegetierenden, leidenden Biomaschinen degradiert. Für die Ertragssteigerung und Profitmaximierung wurden den Tieren sämtliche Bedürfnisse abgesprochen und mit baulichen, technischen, chemischen, pharmakologischen, züchterischen, hormonellen usw. Eingriffen werden ihnen das Ausleben und die Erfüllung ihrer Bedürfnisse vorenthalten. So haben unter anderem winzige Einzelboxen, Vollspaltenböden, Käfige und Gitter in Ställen Einzug gehalten. Heute werden unvorstellbare Massen an Tieren dichtgedrängt völlig artuntypisch gehalten, dabei werden sie mit billigstem Mastfutter versorgt, desen Inhalt bei richtiger Entsorgung als Sondermüll deklariert werden müßte, werden Qual- und Extremzüchtungen forciert die bei Haustieren strafbar wären, kommen Medikamente und Hormone zum Einsatz die jeden Dopingsünder zum Gesundheitsapostel degradieren, wird künstlich besamt und entbunden, weil vielfach ein natürlicher Geburtsvorgang nicht mehr möglich ist, entpuppt sich die moderne Landwirtschaft als ein Alptraum entarteter menschlicher Betätigung die in der Geschichte mit nichts Vergleichbarem aufwarten kann!

Und wozu das Ganze?

Um uns mit ungesunden, chemisch und hormonell verseuchten Lebensmitteln zu versorgen, die eigentlich nur mehr eines sind – BILLIG – und das in jedem Sinne dieses Wortes. Sie kosten nicht viel (an dieses Preisniveau haben wir uns leider gewöhnt), doch bringen sie auch nicht mehr viel. Von Lebens-Mitteln sind sie sehr weit entfernt und die ständig zunehmende Zahl von sogenannten Zivilisationskrankheiten geht zu einem großen Teil auf die wertlos gewordenen Lebens-Mittel zurück. Was interessiert uns die Krankheit, das Leiden, der zu frühe Tod im Alter, wenn wir uns nur jetzt ein paar Cent ersparen und wo wir doch viel lieber Geld bedenkenlos für einen großen Plasma-Bildschirm, einen PS-strotzenden Wagen oder in ein schickes Gucci-Täschchen ausgeben.
Der prozentuelle Anteil für Lebensmittel an unseren Gesamtausgaben war noch nie so gering, doch qualitativ hochwertigere Bio-Lebensmittel sind für viele angeblich „zu teuer“!
Daß mensch für wenig Geld auch nur wenig Gegenleistung erhalten kann, soll ausgerechnet bei Lebensmitteln nicht stimmen?

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2 Antworten zu Artgerecht – was ist das? (Teil 1)

  1. wollmonster schreibt:

    du schreibst mir aus der seele.
    doch realistisch betrachtet muss ich eingestehen, ich sehe keine lösung.
    seit nun schon jahrzehnten versuchen engagierte institutionen gegen massentierhaltung und vor allem tiertransporte (ein grossteil davon ist ja nochdazu völlig überflüssig!!!) vorzugehen und unterm strich hat sich die situation nur weiter verschlechtert.
    ein trauriges kapitel menschlicher ignoranz…

  2. Gernot H. schreibt:

    Ich sehe die Situation nicht ganz so negativ, doch dessen ungeachtet fallen mir dazu spontan zwei „Aussagen“ ein:

    -) dann erst recht! – womit ich sagen will, wenn die Situation so ernst ist, ist es erst recht notwendig sich für diese Belange einzusetzen

    -) es gibt viel zu tun – packen wir’s an! – die Größe des Problems soll einen nicht davon abhalten, sich dieser Herausforderung zu stellen

    Es wird – davon bin ich überzeugt. 🙂

    Alles Gute – Gernot

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