Was ist das für ein Land?

Tu Felix Austria – oder ob gewisse Verbrechen etwas über ein Land aussagen?

Bei meinen heutigen U-Bahn-Fahrten ist mir vor allem eines aufgefallen – Frauen scheint der aktuelle Kriminalfall (-> BBC News, Seattle Times) deutlich mehr zu interessieren als Männer. Ob diese Beobachtung auch statistisch zu belegen ist, lasse ich einmal dahingestellt, denn der eigentliche Auslöser meines Beitrags ist ein Kommentar eines Journalisten:

auf die Frage von ausländischen Kollegen, was das (Österreich) denn für ein Land sei? erwiderte dieser Journalist: ein gutes!
[-> andere Stimmen dazu]

Doch genauso, wie eine pauschale Verurteilung völlig fehl am Platz wäre, ist diese Verhamlosung völlig(!) ungerechtfertigt. Österreich ist kein Land von irren Psychopathen oder sexuell gestörten Kriminellen, aber Österreich ist auch kein Land der Eigenverantwortung oder Eigeninitiative und schon gar nicht ist Österreich ein emanzipiertes Land. Frauen sind nach wie vor Mitglieder dieser Gesellschaft zweiter Klasse.
Österreich ist sehr konservativ, sicher eines der konservativsten Länder Europas. In Österreich fanden kaum Revolutionen statt, dafür gab es Vormärz und Metternich, Habsburg und Kaiserreich, Ständestaat und Nationalsozialismus. Die Untertänigkeit ist institutionalisiert, auch heute noch (so wird auch beim aktuellen Kriminalfall die Frage nach einem Versagen von Behörden oder Institutionen sehr lebhaft geführt) . Nach wie vor gilt für den Staatsbürger, dass alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist und des Bürgers Standardreaktion lautet nach wie vor „ja, darf man das denn?“.
Über EU-Verträge wird ebensowenig abgestimmt, wie Volksbefragungen für die Regierenden bindend sind. Die Demokratie ist von einer jahrzehntealten Sozialpartnerschaft ausgehöhlt, Streiks sind fast unbekannt und Gesetze werden zwar beschlossen, aber nur je nach Gutdünken oder Willkür umgesetzt (da hat Österreich schlechte Erfahrungen mit der EU, denn die verlangt auch die Einhaltung ihrer Gesetze). Die Verantwortung für Katastrophenfällen (siehe Kaprun) wird nicht wahrgenommen oder liebend gerne abgeschoben und bei Schwierigkeiten wird zuerst nach dem Staat gerufen. Pfründewirtschaft im bevölkerungsstarken Ostteil des Landes ist ebenso gang und gäbe (die aktuelle Politikergarde ist ein abschreckendes Beispiel für Emporkömmlinge dieses Systems), wie eine systematische Nichtanerkennung der Leistungen der Frauen (vor allem im familiär, sozialen Bereich durch Nichtentlohnung der Tätigkeiten, wie auch durch einen noch immer eklatanten Gehaltsunterschied zwischen Mann und Frau) kennzeichnend für diese Gesellschaft sind.
Wegschauen, nichteinmischen hat System in diesem Land. Nach oben andienen und nach unten treten ist überall, in allen Gesellschaftschichten zu finden. Eine Streitkultur ist kaum vorhanden – dafür ein überbordendes Harmoniebedürfnis.

So ist es nicht verwunderlich, dass das abartige Treiben des Mannes unbemerkt geblieben ist. Es gibt kein perfektes Verbrechen, aber es gibt Umstände, die ein solches Verbrechen erleichtern.
So möchte ich rufen „Österreich, wach auf!“, aber bekanntlich ist die größte Angst des glücklichen Sklaven die, vor der Freiheit!

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Eine Antwort zu Was ist das für ein Land?

  1. Sandra H. schreibt:

    Das ist ein wunderbarer Artikel! Ich stimme dem voll zu. Die Verantwortung liegt bei JEDEM von uns. Nur allzugerne verfällt Mann und Frau in „das wird schon gerichtet“. Immer von den „Anderen“. Wo bleiben wir, unsere Verantwortung? Wenn wir die Dinge nicht in die Hand nehmen wer sonst. Dinge geschehen, immer und überall. Verbrechen an uns Menschen, den Tieren, der Umwelt. Aber wer tut all das? – WIR. Wenn wir uns nicht gegenseitig helfen wer sonst soll uns stoppen? Das können nur wir ganz allein! Wenn wir uns einsetzen, vor allem nicht wegsehen, dann bestimen WIR was geschieht – und nicht die „Anderen“. Es liegt wirklich an UNS zu Verändern. Danke für den Artikel

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