Noch immer grün?

Was kommt nach der Umstellung auf eine „grünere“ Lebensweise?

Das eigene Auto ist verkauft, das Fahrrad oder Öffis kommen zum Einsatz, Ökostrom fließt aus der Steckdose, die Fenster sind relativ neu und dicht, Energiesparlampen erhellen die Räumlichkeiten, die Wohnung ist klein aber dennoch groß genug, im Garten gibt es keine Kunstdünger oder Spritzmittel, eingekauft wird fair und bio, ach ja, und besonders wichtig, der Fernseher ist verschrottet.

Es gibt eine Menge an Dingen, an Verhaltensweisen die verändert werden können um nachhaltiger, umweltbewusster, energiesparender oder sozial verantwortlicher zu leben. Zu erkennen, dass das neue Jahrtausend mit seinen großen Herausforderungen neue Antworten braucht und diese dann auch umzusetzen, kann als beängstigende Last, oder als befreiende Schritte in eine bessere Zukunft gesehen werden.
Auf diese Veränderungen aktiv zuzugehen und sie in das eigene Leben zu integrieren, hinterlässt aber auch ein Gefühl zu einer Avantgarde zu gehören, die die Herausforderungen annimmt und Lösungen weiss, oder sie zumindest versucht.
Bücher wie „33 Schritte die Welt zu retten“, oder „50 einfache Ideen mit großer Wirkung“ oder wie die netten Ratgeber auch immer heissen sind doch Schnee von gestern, sind doch die Tips bereits umgesetzt und so schleicht sich eine eigenartige Leere, ein Unbehagen ein.
Was bleibt?

Warten, bis der Rest nachfolgt?
Zusehen, wie sich zu viele noch immer verweigern?
Hoffen, dass die Entscheidungsträger die Chancen der Veränderung erkennen und sich nicht hinter Ängsten und Befürchtungen verschanzen und weiter auf die alten, überholten Rezepte setzen?

Betrachtet man aktuelle Entwicklungen, stellt sich doch die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns – die Meere werden weiter leergefischt, zu Ende gehende Ressourcen werden in sinnlos kurzen Lebenszyklen von Produkten vergeudet, unser aller Lebensraum wird zerstört, ob durch Zersiedelung oder durch die voranschreitende Ausbreitung von Wüsten, die Weltbevölkerung nimmt weiter zu und will ernährt werden, verantwortungslose Konzerne bestimmen zunehmend über unser Leben, die einen Wirtschaftsfundamentalismus propagieren, der sein militant-radikales Gesicht immer deutlicher zeigt, wenn Bevölkerungen sich mit ihren Lebensinteressen nicht länger unterordnen wollen.

Und trotzdem lebt die Hoffnung auf ein besseres Morgen, auf ein friedliches Zusammenleben, auf einen bedachtvollen Umgang mit unseren Ressourcen, auf ein Leben mit weniger Gütern, dafür aber ein Leben mit mehr Lebensfreude in einer Umwelt, die nicht geschunden und vergiftet ist, in der auch andere Lebensformen ihren respektvollen Platz innehaben können – es lebt der Traum einer humaneren Gesellschaft, auch wenn sie nicht morgen verwirklicht sein wird.

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2 Antworten zu Noch immer grün?

  1. utopiablog schreibt:

    Danke für den schönen Beitrag! Ich glaube es bleibt einem wirklich nichts anderes übrig als nach langsam erfolgter Bewußtwerdung einfach nur weiterzumachen. Steter Tropfen…und so.

    Dabei viel erhobenes Haupt,
    wünscht
    der AustroBerliner
    Martin

  2. Gernot H. schreibt:

    Danke Martin, für deinen netten Kommentar und schöne Grüße nach Berlin.

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