Wider die große Scheinheiligkeit

Verbrechen bleiben Verbrechen und der Zweck heiligt eben nicht die Mittel 

Radovan Karadzic ist endlich verhaftet worden – wie freue ich mich. Ein Kriegsverbrecher mehr, der angeklagt werden kann.

Aber was ist eigentlich ein Kriegsverbrecher?

Die wichtigste Voraussetzung scheint zu sein, einen Krieg verloren zu haben. Sieger, egal welcher Nationalität oder Gesinnung, waren noch nie Kriegsverbrecher.
Hast du einen Krieg angefangen, macht nichts, hast du den Tod von zehntausenden von Zivilisten in Kauf genommen, macht nichts, zähl sie einfach nicht, du hast Regime gestürzt oder sie in blutige Bürgerkriege verwickelt, wen interessiert es, deine „Smart bombs“ haben wahllos Männer, Frauen, Kinder zerfetzt, verstümmelt, verbrannt, du bist auf der sicheren Seite, solange es keine Bilder davon gibt (das nennt man dann übrigens „embedded journalism„, früher hat man das einfach Kriegspropaganda genannt), du entführst Menschen, verschleppst, inhaftierst und folterst sie, sei unbesorgt, bezeichne sie einfach als Terroristen und dir wird vergeben.
Kriegsverbrechertribunal, Internationaler Strafgerichtshof, die werden dich nicht belästigen, denn die haben Wichtigeres zu tun, nämlich sich mit denen zu befassen, die die wichtigste Regel missachtet haben – mit den Verlierern!

Will ich hier die Greueltaten des jüngsten Balkankrieges verharmlosen?

Keinesfalls, ganz im Gegenteil – Krieg ist das Schrecklichste das passieren kann, nur das Märchen vom guten und vom bösen Krieg, das sollten wir endlich begraben. Die, die einen Krieg beginnen, sollten zur Rechenschaft gezogen werden, doch wenn sie gewinnen, ist das nicht mehr möglich. Aus diesem praktischen Grund bin ich gegen all diese selbstgerechten, anmaßenden Tribunale.
Ist es nicht eine Verhöhnung, wenn der „Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Yugoslawien“ ausgerechnet in dem Land eingerichtet worden ist, dessen Blauhelm-Truppen das „Massaker von Srebrenica“ nicht verhindert haben? Und wie wagt es eine internationale Gemeinschaft über „Andere“ zu richten, hat sie mit der Einrichtung der Schutzzone von Srebrenica und der folgenden Demilitarisierung der bosniakischen Einheiten doch eine Sicherheit vorgegaukelt, die sie dann nicht bereit war zu verteidigen?

Selbst unsere Kinder werden im Geschichtsunterricht ja nach wie vor mit einer zweifelhaften Kriegsmoral konfrontiert, die dem Sieger immer Recht gibt. Was ist zum Beispiel so toll an einem Alexander aus Makedonien, genannt der „Große“, der die Länder von Griechenland bis Ägypten und Indien mit Krieg überzogen hat und tausende Tote zu verantworten hat?

Leider haben auch die Grünen in Deutschland unter ihrem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer, der in ekelerregenderweise zum reinen Machtpolitiker verkommen ist, ihren Grundsatz „Nie wieder Krieg“ aufgegeben.
So befinden sich internationale Truppen in Afghanistan um den „Terror“ zu bekämpfen – wieviele afghanische Terroristen kennst du eigentlich? Millionenbeträge stehen für zweifelhafte militärische Einsätze (->schon wieder zivile Opfer) bereit, während für den so wichtigen Bau von öffentlichen Schulen, um den indoktrinierenden „Koranschulen“ endlich etwas entgegensetzen zu können, private Initiativen betteln gehen müssen (z.B: die Kinderhilfe Afghanistan).
Wer Krieg führt, bleibt nicht unschuldig und wer den Kriegführenden hilft, macht sich mitschuldig – der Rest ist Heuchelei.

„Den Frieden zu gewinnen und nicht den Krieg“ war der bessere, wenn auch schwerere Ansatz.

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