Die Hoffnung lebt – aber welche?

Die täglichen Meldungen zum Wirtschaftsgeschehen werden nicht besser und düstere Prognosen sind das einzige, das im Moment Hochkonjunktur hat.

Wirklich auffallend bei diesem ganzen Treiben ist der Umstand, dass, obwohl die Liste der Unternehmen mit Rekordverlusten oder Finanzproblemen täglich länger wird und es laufend zu Manager Rauswürfen oder Rücktritten kommen müsste, es erstaunlich ruhig bleibt. Da wird ein Bonifikationenverzicht (wenn überhaupt -> siehe Bericht) schon als heldenhafte Großtat gefeiert und von Entschädigungszahlungen oder Regressforderungen ist weit und breit nicht die Rede. 

Die selben größenwahnsinnigen, selbstherrlichen und niemals überbezahlten Manager (-> dazu ein lesenswerter Bericht) die das ganze Schlamassel angerichtet haben, sollen in einer Wandlung vom Saulus zum Paulus auf einmal Verantwortung, Rechtschaffenheit oder gar Moral zeigen. Mancherorts wird schon von einer Verschärfung der Zumutbarkeitsbestimmungen für arbeitslos gewordene Mitmenschen geredet – da stellt sich doch die Frage, was kann eigentlich von einem Manager gefordert werden?

Gerade von Bankmanagern, die, wie wir nun alle erfahren in einer Branche tätig waren und sind, die ihre Risiken schon längst allen Bürgern aufgehalst haben (…Banken dürfen nicht Pleite gehen…), die aber die ehemals reichlich sprudelnden Erträge fein säuberlich der Allgemeinheit vorenthalten haben, gerade von denen könnte man doch einmal etwas einfordern, oder etwa nicht? Zum Beispiel die Erkenntnis, dass nicht nur die Shareholder wichtig sind, sondern vielleicht die sie tragende Gesellschaft. Und der könnten sie ja einmal etwas zurückgeben. Nein, nicht freiwillig, von den feinen Herren kann man schon was fordern!

Aber exemplarisch ist wohl eher der jüngste Fall der Millionenpension des ehemaligen Chefs der nun beinahe Pleite gegangenen RBS (Royal Bank of Scotland) F. Goodwin (-> siehe Bericht), der absolut kein Umdenken zeigt, sondern in einer beschämenden Weise die ungebrochen abgehobene Selbstherrlichkeit dieser Leute belegt.

Bleibt nur die aktuellen Politikerkaste zu erwähnen, die all die Auswüchse gefördert, ermöglicht und unterstützt hat. Von einem Wechsel ist auch hier keine Spur.

Und genau die sollen uns aus der Krise führen und neue Wege aufzeigen?

Werfen sie nicht gerade gutes Geld dem vielen schlechten hinterher? 30, 60, 100 Milliarden Euro alleine für eine einzelne Bank und ein Ende ist mehr als ungewiss. Versuchen sie nicht gerade mit allen möglichen Mittlen alte Strukturen am Leben zu erhalten, anstatt auf einen Wandel zu setzen? Der Krise der großen Konzerne wird teilweise mit Fusionen zu noch größeren Kolossen, oder sollte man nicht besser schon von Dinosauriern sprechen, begegnet.

Wie gesagt, die Hoffnung lebt – nur kann man ernstlich auf Einsicht hoffen, oder gar auf einen Wandel? Oder bleibt nur die Hoffnung ohne soziale Unruhen oder gar einen Krieg über die Runden zu kommen? Die Vergangenheit lehrt uns, dass erst der Zweite Weltkrieg die Depression der 30er Jahre überwunden hat…

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