Castor fiber

Es ist schon erstaunlich was sich wo in und im Umfeld der Stadt finden lässt.

Für hundert Jahre war er ausgestorben, nein, war er ausgerottet – es war kein freiwilliges Verschwinden, doch dann wurde er wieder angesiedelt. Und es gefällt ihm hier!

Trotz aller Regulierungen, trotz diverser Verbauungsmaßnahmen, er findet sein Plätzchen und das nicht nur in entlegenen, ungestörten Bereichen.

Ach ja, ich schreibe hier vom Biber. Er hat ein erstaunliches und zum Glück stilles Comeback geschafft. Probleme gibt es da und dort, aber davon abgesehen zeigt er sich überraschend anpassungsfähig. biberUnd auch wenn er selbst nicht so leicht beobachtet werden kann, hinterlässt er doch eindeutige Spuren die sein Vorhandensein belegen.

So finden sich angeknabberte Bäume und Büsche an der Neuen Donau, was wenig verwundert, ist ja der Nationalpark Donauauen nicht weit, aber auch im renaturierten Teil des Wienflusses und für mich ziemlich überraschend auch am Wienerwaldsee. Überraschend deswegen, weil diese Gebiete intensiv für Freizietaktivitäten genutzt werden, eben alles andere als ruhige, abgeschieden Naturinseln darstellen.

Am Wienerwaldsee konnte ich ihn neulich sogar kurz schwimmend beobachten.

Das ist doch für eine Großstadt nicht schlecht, oder?

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9 Antworten zu Castor fiber

  1. kunstseidenes schreibt:

    Beim lesen der Überschrift fiel mir zuerst Atommüll, dann Simone de Beauvoir ein. Erst, als ich mitten im Artikel steckte, ging mir auf, dass es sich um das Tier handelt. Spricht nicht gerade für eine Verbreitung der Biber…
    Umso schöner, dass er sich gerade in so einem Gebiet wieder ansiedelt! Jetzt bleibt zu hoffen, dass sich nicht irgendwer über die Gefährdung der Erholungssuchenden durch biberbenagte Bäume auslässt.

  2. almende schreibt:

    Atommüll, ja – aber Simone de Beauvoir???

  3. andrejo schreibt:

    Auch bei mir erzeugt das Wort Castor erstmal Gänsehaut und abstehende Nackenhaare.
    Aber als ich gemerkt hatte, dass es um den Biber geht, fielen mir sofort „die Biberbrüder“ ein, eine echt geniale Zeichentrickserie (http://www.dailymotion.com/video/x1ytlg_die-biber-bruder-13b_fun).
    Aber Spass beiseite. Den Bibern hierzulande wurde in den vergangenen Jahrhunderten wahrhaftig übel mitgespielt. Wegen des Bibergeil erschlagen, von Mönchen während der Fastenzeit gefressen (genauso wie die Fischotter, weil das angeblich kein Fleisch war), wegen ihres Pelzes gejagt und dann noch getötet, weil sich die Menschen von ihren Dammbauten gestört fühlten.
    @kunstseidenes, es gibt heute dort wo Biber siedeln und logischerweise auch Dämme bauen selbstredend schon wieder Landwirte, die „ungeheure“ Schäden durch den Dammbau beklagen und der ein oder andere holt schon mal die Flinte hinter dem schrank hervor, um gegen diesen gefährlichen Schädling so vorzugehen, wie es für die meisten Menschen üblich ist: mit Gewalt!
    Gruß von andrejo/Thialfi

  4. kunstseidenes schreibt:

    „Atommüll, ja – aber Simone de Beauvoir???“

    Castor war ihr Spitzname, den auch Sartre verwendete. Das blieb mir hängen, als ich vor ein paar Jahren ihre Quasi-Doppelbiografie von Walter van Rossum las.

  5. Noah schreibt:

    Das ist wirklich sehr erfreulich. 🙂

    Mit der Rückkehr „großer“ Tiere (Wölfe, Biber, Bären, …) ist allerdings kaum ein Wieder-in-Ordnung-kommen von Tierreich und Natur verbunden. Was durch das menschliche Verhalten da gleichzeitig an kleinen Tieren (Schmetterlingsarten, Bienenarten, z.B.) verschwindet…

  6. almende schreibt:

    @ andrejo:
    danke für den Tip 😉
    ja, ja, die Biber könnten schon was erzählen…

    @ kunstseidenes:
    das steht natürlich im „Das andere Geschlecht“ nicht drin – wieder was dazugelernt.

    @ Noah:
    da muss ich als alter Optimist betonen, dass mir rückkehrende Biber lieber als fehlende sind – dass damit die Natur nicht wieder in Ordnung ist, ist klar – das wird sie auch nie mehr – obwohl, was ist schon „in Ordnung“?
    Ich warne ausdrücklich vor all zu statischen Naturkonzepten – Veränderung ist natürlich – was mir Sorgen macht ist, ob wir als Menschen die selbstgemachten Veränderungen auch überleben werden…

    Danke für die Kommentare und alles Gute

  7. Noah schreibt:

    Meine Zustimmung, Gernot, was die Biber betrifft.

    Ebenso, dass Natur kein statisches System darstellt. Meine Wahrnehmung ist allerdings eine andere. Wenn der Mensch (als Gattung) die Veränderungen womöglich nicht überlebt, macht mir das kaum bis keine Sorgen (das meint nicht den konkreten Menschen – Jedem wünsche ich ein möglichst leidfreies Leben). Ich bin kein Anthropozentriker. Was mir Probleme bereitet ist, dass des Menschen Verhalten unangemessen auf Kosten anderer Arten, Gattungen usw. geht, ausrottenderweise (gar nicht davon gesprochen, was es für unzählige leidbefähigte konkrete Einzellebewesen bedeutet). Rein „natürlich“ betrachtet ist auch so ein Verhalten „Natur“. Die Fokussierung auf diese „Natürlichkeit“ missachtet aber in unzulässiger Reduktion das, was die Kategorisierung (ebenso wie die Kategorisierungen von Ordnung, Chaos, [dynamisch-kybernetische] Stabilität und Instabilität, … ) erst erschuf: Die Emergenz Geist. Bei dem, was derzeit global geschieht, handelt es sich nicht um natürliche Populationsschwankungen – die sich noch in der „Ordnung“ befänden. Wenn wir schon in Kategorien wie „Natur“ reden, dürfen wir nicht die übrigen Kategorien (wie Kultur, Ethik, usw.) einfach fallen lassen. So wie ich dich bislang schreibenderweise kennenlernte, tust du das auch nicht – im Gegenteil: Ich nehme dich als einen ethisch sehr bewussten Menschen wahr.

    Wenn der Mensch so weit „herumsaut“, dass nicht nur viele andere Arten, sondern auch er selbst schließlich dadurch aussterben sollte, so wird „Natur“, Leben, sich weiter seinen Weg auf diesem Planeten bahnen. Solange aber der geistbefähigte Mensch noch da ist, wird es auch die Wahrnehmung von Gut (belassend, förderlich, …) und Böse (vernichtend, hinderlich, …) geben, die Wahrnehmung von Einheit und Geschwisterlichkeit mit anderem Leben, „Schöpfungsliebe“ und Glücksstreben (nicht nur für sich selbst – denn was ist ein Glück, dass auf Leid anderen Lebens aufbaut?). Die Existenz solcher Wahrnehmungsbefähigung ist Teil der „natürlichen Ordnung“. Die Kategorisierung Natur-Kultur löst sich erst auf höherer Ebene in ein Eines. Geist ist Voraussetzung hierfür. Geist leugnet nicht Veränderung, die Teil des Wesens allen Daseins ist, aber er bewertet auch.

    Aber ich sehe, ein Blog-Kommentar ist kaum geeignet, eine Perspektive wirklich wieder zu geben. Ich sage es nochmal anders:

    Gestern hockte ich am Rand einer schmalen Straße und hob schützend meine Hand über einen Käfer, so dass der herannahende LKW abbremsen und im Schritttempo vorsichtig an mir vorbeifahren musste. Eine Minute später hat vielleicht eine Amsel diesen Käfer gefangen und aufgefressen. Beides ist richtig.

    Hätte ich den Käfer nicht geschützt, weil ihn sowieso die Amsel kurz danach frisst, wäre nur eines der beiden Geschehnisse richtig gewesen. Der Natur wäre das egal. Mir nicht.

  8. almende schreibt:

    Hallo Noah!

    Du bringst mich in Verlegenheit – deine Kommentare sind ja länger als mein Blogeintrag 😉

    Außerdem hast du völlig recht, das Thema ist so leicht nicht zu behandeln.

    Aber es berührt die grundlegende Frage „warum sich für den Erhalt der Natur einsetzen?„. Und ich gestehe, in Frustzeiten denke ich mir auch mal „nur zu, machen wir so weiter, dann ist es wenigstens schneller vorbei„.

    Doch irgendwas treibt mich an und ich kann einfach nicht anders – ob es sinnvoll ist will ich hiermit nicht beantwortet haben – das muss jede(r) für sich selbst rausfinden.

    Danke jedenfalls für deine Beiträge.

    Alles Gute

  9. andrejo schreibt:

    Ich glaube uns allen geht es ähnlich, Gernot. Auch ich zweifle manchmal an dem was ich da tue. Wir sind ja alle nicht katholischer als der Papst, wie man bei uns zu sagen pflegt. Wichtig ist doch, dass wir letzten Endes nicht „vom Glauben abfallen“, vom Glauben., das richtige zu wollen und auch zu tun.
    Wir sind Menschen und also handeln wir auch wie solche. Selbstzweifel gehören dazu, auch wenn man hin und wieder das Gefühl hat, es seien Windmühlenflügel, gegen die wir ankämpfen.

    Liebe Grüße von andrejo/Thialfi

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