Veröffentlichung – Entöffentlichung

Über die Übernahme der privaten Schulden der Banken durch den Staat wurde ja mittlerweile viel geschrieben und das Thema, die Lösung eines privaten Problems der Öffentlichkeit zu überlassen, wird ja eifrig diskutiert.

Ein gänzlich anderer Fall einer solchen „Veröffentlichung“ ist für die meisten von uns nicht wirklich ein diskussionswürdiger Umstand.

StraßeWo stellt man/frau sein/ihr Auto ab?

Immer mehr persönliche Kraftwagen brauchen natürlich auch immer mehr Platz. Denn auch wenn sie gerne als Garant der Mobilität gesehen werden, sind die Gefährte doch großteils immobil und stehen in der Gegend herum.

Das benötigt viel Platz und dieser wird gerade in Städten von der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Doch damit geht eine Entöffenlichung dieses eigentlich öffentlichen Raumes einher. Jede andere Nutzung wird ausgeschlossen – eine Nutzung die vielleicht menschenfreundlicher wäre, eine Nutzung durch spielende Kinder vielleicht, eine Nutzung durch Spaziergänger oder Radfahrer, eine Nutzung für Wirtshausgärten oder einfach für soziale Treffpunkte, eine Nutzung die mehr Grün zuließe, eine Nutzung die Erholung, Zeitvertreib oder ein Miteinander ermöglichte.

PlatzPlätze, die zu Parkplätzen degradiert sind, werden einen Aufenthalt im eigenen Wohnumfeld nicht fördern und damit erst recht einen Ortswechsel, eine Mobilität erzwingen, nur um uns an Orte zu bringen, an denen wir uns wohlfühlen, weil unseren menschlichen Bedürfnissen nach sozialen Kontakten, nach Freiräumen Rechnung getragen wird.

Erste Initiativen zur z.B. verpflichtenden Errichtung von Garagenplätzen bei Neubauten zeigen in die richtige Richtung. Holen wir uns den Raum und damit Lebensqualität zurück!

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4 Antworten zu Veröffentlichung – Entöffentlichung

  1. andrejo schreibt:

    Erst kürzlich stellte ich mir eine ähnliche Frage:
    „Wieso wird eigentlich in einem Land wie Deutschland, trotz eigentlich sinkender oder auch nur stagnierender Bevölkerungszahl, immer mehr Bodenfläche versiegelt und so der Natur und den Menschen gestohlen?“
    Wenn ich mir jetzt so Deinen Artikel durchlese, wird mir das schon klarer. Immer mehr Verkehr benötigt immer mehr Verkehrsfläche. Ruht dieser Verkehr – das hast Du wunderbar erkannt – muss das Objekt indivdualmotorisierter Bürgerbegierde (das Auto) irgendwo stehen gelassen werden. Natürlich auf der Strasse, bzw. auf Parkplätzen, die durch diese Nutzung der Öffentlichkeit entzogen werden.
    Da in der Stadt der Platz durch die immer breiter werdenden Verkehrswege und die immer größeren Parkplätze immer knapper werden, muss man in das Umland der Städte ausweichen, wie es die Supermärkte und andere Geschäfte bereits vormachen. Und so braucht man sich nicht wundern, wenn nach und nach das ganze Land zubetoniert wird, nicht wahr?
    Vielleicht sollten die Autos, wenn wir schon meinen, nicht darauf verzichten zu können, um einiges kleiner werden, als sie es heute sind? Wieso muss ein Auto greundsätzlich 4-5 Sitze haben, wenn es durchschnittlich nur von 1,2 Personen oder so benutzt wird?
    Wie dem auch sei. Ich stimme Dir zu wenn Du sagst:“Holen wir uns den Raum und damit die Lebensqualität zurück!“ Schließlich gehört er uns, der“öffentliche“ Raum!

    Gruß von Andrej

  2. Noah schreibt:

    Das erstaunt mich jetzt ein wenig. In D wird in den Bauordnungen aller Bundesländer seit Jahrzehnten je Wohneinheit mindestens ein Kfz-Stellplatz auf dem eigenen Grundstück gefordert (Ausnahme: Alter Baubestand). Ist das in Ö anders?

    Zu sind die Straßen trotzdem. Nur ein Auto pro Familie, wie soll das auch gehen? Dienstag abend war ich zu einem Geburtstag. 4-köpfige Familie, 7 zugehörige Autos auf dem Hof. Das nenne ich Maßstäbe setzen.

  3. andrejo schreibt:

    Das mit den zugehörigen Parkplätzen zu den Wohneinheiten ist schon ne tolle Sache, aber wenn sie
    1.) nicht in einer Tiefgarage unter dem Gebäude, sondern auf einer zugepflasterten Fläche vor dem Gebäude sind, ist die Fläche trotzdem der Allgemeinheit genommen worden
    und
    2.) bei uns z.B. liegt gegenüber ein großer Wohnblock. Weil aber die dazugehörenden Parkplätze recht eng und die Einfuhrt zu ihnen durch eine Schranke zu befahren ist – was vermutlich sehr lästig ist – stehen die gesamten Fahrzeuge draussen im „öffentlichen“ Parkraum. Der Parkplatz des Gebäudes hingegen ist ratzekahl leer und zwar jeden Tag!

    Also werden einfach noch mehr Parkplätze im öffentlichen Raum gebaut, damit die vielen Autos abgestellt werden können. Was für ein Mist!

    Gruß von Andrej

  4. almende schreibt:

    @ Andrej: danke für deine Kommentare und das Lob.

    @ Noah: eine einheitliche Regelung in der Bauordnung gibt es in Ö nicht.
    Eine wichtige, hilfreiche Entwicklungen ist das flächendeckende Kurzparkzonensystem in Wien (bis zehn Uhr am Abend), zumindest in den inneren Stadtbezirken (aber man denkt über eine Ausweitung auf die Außenbezirke nach), das z.B. dazu geführt hat, dass sich vorhandene, schlecht ausgelastete Parkgaragen unter großen Wohnhausanlagen nun auch für Nichtmieter geöffnet haben (naheliegend, aber bisher kaum der Fall).

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