Ein Lob der Schweiz

Ja, der Schweiz gebührt ein Lob – wie auch immer man zum Referendum und dessen Ergebnis stehen mag, es hat eine breitere Diskussion zu einem Thema ausgelöst, mit dem wir uns alle beschäftigen sollten – die muslimische Welt und der Westen.

Ich weiß, eine doppelte Vereinfachung, weil es „die“ Muslime nicht gibt und der Westen auch kein einheitlicher Block ist. Persönlich bin ich übrigens für Minarette, bin ich für das Tragen von Kopftüchern, denn nur so wird einem bewußt, daß es eine stark wachsende Bevölkerungsgruppe ist, die nicht mehr übergangen werden kann.

Eine gewisse fundamentalistische Veränderung glaube ich aber bemerken zu können – das ist nur ein persönlicher Eindruck. Doch frage ich mich, ob die unverhüllt sich in der Öffentlichkeit bewegenden muslimischen Frauen vor zehn, fünfzehn Jahren alle ungläubig gewesen sind? Wohl kaum, darum verstehe ich den aktuellen Drang zum Verhüllen, als Imperativ des muslimischen Glaubens nicht ganz – sollte ich als Christ mich nun mit Kreuzen behängen um meinen Glauben ebenfalls zur Schau zu stellen?

Doch Kopftücher sind nun plötzlich allgegenwärtig – na ja, nicht meine Entscheidung, auch wenn ich die Entwicklung mit einem gewissen Unbehagen verfolge – was ist freiwillig und wo beginnt der Zwang? Nur wenn ich nun auch vollverschleierte Frauen in ihren schwarzen Gewändern sehe, regt sich eine Ablehnung – ich kenne kein Land, in dem sich Frauen freiwillig verschleiern, außer sie werden massiv mit Gewalt bedroht. Da ist eine Grenze erreicht und vielleicht ist sie auch an anderen Stellen erreicht, wer weiß? Darüber zu Schweigen, die Probleme einfach zu negieren ist jedenfalls der denkbar schlechteste Weg mit diesen gesellschaftlichen Veränderungen umzugehen.

Und jede Ablehnung gleich mit Fremdenhass, Ausländerfeindlichkeit oder Islamphobie gleichzusetzen ist nur wenig hilfreich. Diesen Themenbereich aber ganz den rechten Parteien zu überlassen, halte ich übrigens für sehr gefährlich.

Kenne ich persönlich Muslime? Jein, die die ich kenne, denen sieht man es nicht an, dass sie Muslime sind (so wie man es einem Protestanten oder Katholiken nicht ansieht). Finde ich das gut? Ja, weil Glaube für mich etwas privates ist und dort sollte er auch bleiben. Diese Grenze möchte ich gezogen wissen und das hat nur mit einer Ablehnung zu tun – der, dass irgendwer irgendwem vorschreiben kann, was der- oder diejenige zu glauben hat. Da hört bei mir die Toleranz auf!

Wir sollten übrigens nicht immer nur Nabelschau betreiben und uns durchaus für Menschen interessieren und einsetzen, die ihren Glauben einfach nur leben wollen – egal wo.

Ein sehr lesenswerter Artikel aus der Welt beleuchtet einen Aspekt der ganzen Diskussion, der unbequem ist, aber nicht vergessen werden sollte.

-> Zum Artikel.

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