Die Aussagekraft von Zahlen

Da heutzutage ja alles im Superlativ dargestellt werden muss, können auch nur mehr große Zahlen beeindrucken, die dann von den Medien hinausgeschrieen werden.

Ein Beispiel gefällig?

Heuer im Frühjahr gab es die Schlagzeile „China Exportweltmeister 2009“ und meist wurde in den folgenden Zeilen der Aufstieg Chinas bejubelt und der Niedergang Deutschlands beklagt.
Aber wie ist das eigentlich – da schaffen 1,33 Mrd Menschen gerade mal so viel wie 81 Mio und das soll der Beleg sein für einen unvermeidlichen Untergang? Sollte man da die Kirche nicht besser im Dorf lassen?

Aber ähnlich geht es leider auch im von mir geliebten Bio- oder Fairtrade-Bereich zu.

Die aktuelle Schlagzeile dazu: „Bio-Baumwollbranche wächst um 20%“. Natürlich ist das gut und erfreulich, keine Frage, doch gibt es in dem Artikel noch eine weitere Zahl, die sich ein wenig dürftiger ausnimmt – der Anteil an der weltweiten Baumwollproduktion liegt damit (und nun sollte ich vielleicht eine größere Schrift verwenden) bei stolzen 0,76 %. Noch nicht einmal 1 % werden biologisch angebaut.
Da ist ja der GVO-Grenzwert* für Bio-Lebensmittel deutlich höher, liegt der doch bei „vernachlässigbaren“ 0,9 %.
(*Mit bis zu 0,9 % dürfen Bio-Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Organismen „verunreinigt“ sein um dennoch als Bio-Lebensmittel deklariert werden zu können).

So wertvoll jede Steigerung der Bio- oder Fairtrade-Anteile gerade für die jeweiligen ProduzentInnen vor Ort ist, im weltweiten Geschäft mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen spielen sie nach wie vor einfach eine zu geringe Bedeutung.

Nicht aufgeben und trotzdem weitermachen, heißt da wohl die Devise, denn es gibt eben noch sehr viel zu tun.

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2 Antworten zu Die Aussagekraft von Zahlen

  1. Noah schreibt:

    Irgendwie auch (ergebnisoffen) eine ethische Frage, ob solche Zahlenspiele der Medien nicht auch legitim sein könnten, wenn sie geeignet sind, eine träge Masse zu bewegen.

  2. almende schreibt:

    Hallo Noah!

    „…könnten“, wie wahr, nur glaube ich eher, dass die vielen schrillen Zahlen eher zu einer Abstumpfung, bzw, zu einer verzerrten Wahrnehmung führen.
    Aber wie du richtig sagst, wenn sie zur Aktivierung der trägen Masse beitragen könnten…, ja dann wäre ich auch ganz zufrieden – mir persönlich geht es eben anders damit.

    Alles Gute

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