Effizient aber gefährlich

Die Katastrophen in Japan führen uns deutlich vor Augen, dass nicht nur Entwicklungsländer gefährdet sind, wie ja vielfach nach dem Sumatrabeben und dem darauffolgenden Tsunami behauptet wurde. Ob wir entwickelten Länder nicht sogar stärker gefährdet sind, will ich mal unbeantwortet lassen, sicherer dürfen wir uns keinesfalls fühlen.

Unser Alltag wird immer effizienter, vierminütige Wartezeiten bei öffentlichen Verkehrsmitteln empfinden wir als Zumutung und die alltägliche Verfügbarkeit von Lebensmitteln aller Arten ist selbstverständlich. Die Energie- oder Trinkwasserversorgung funktioniert störungsfrei und die Telekommunikation möglichst auch im entlegensten Winkel des Landes. Lagerhaltung ist verpönt und Vorräte halten nur eigenartige Zeitgenossen.

Und dabei stehen wir sehr schnell sehr hilfsbedürftig da, wenn unsere Ver- und Entsorgungssysteme einmal ausfallen. „Just in time“ baut nun mal auf Ungestörtheit, auf Gleichförmigkeit auf Beständigkeit auf und Sicherungssysteme, auf welchem Lebenslevel auch immer, kosten zusätzliches Geld oder Mühen. Doch die ersparen wir uns zunehmend – Züge die weder im Hochsommer noch im Winter funktionieren, Straßen, die mit enormem Aufwand das ganze Jahr über möglichst in trockenem, niederschlagsfreiem Zustand gehalten werden, Pendlerstrecken, die aufgrund von Hochgeschwindigkeitsverbindungen den Bezug zur realen Entfernungen verloren haben, Unglücksfälle, die einfach die vorgegebenen Berechnungs- oder Planungsspielräume überschreiten, Lagerhaltung, die beliebig auf die Straße verlegt wird, usw.

Kurzfristigkeit, falsch verstandene Flexibilität und enge Planungszeiträume die einer schnellen Ertragsmaximierung dienen, sind Rahmenbedingungen, die sich heimlich in unseren Alltag geschlichen haben. Doch wenn wir eins von der Natur gelernt haben sollten, dann das, dass stabile Systeme Pufferkapazitäten haben, die eben ein Kippen dieser Systeme verhindern, abfedern, oder doch hinausschieben können.

Nicht erst das Beben vor Sumatra hat gezeigt, wie gefährdet wir Menschen sind, doch das menschliche Verhalten nimmt auf natürliche Bedingungen immer weniger Rücksicht – im Sommer bei der größten Hitze längere Mittagspausen einzulegen, oder im Winter bei heftigem Schneetreiben zuhause zu bleiben sind kleine Beispiele, die zeigen sollen, wie weit wir uns von der Natur entfernt haben. Und denke ich an die entsetzlichen Bilder des Sumatra-Tsunamis, wo Menschen die offensichtlich drohende Gefahr einfach total ignorieren, kann ich nur hoffen, dass uns unsere zunehmende Ignoranz nicht in weit größere Schwierigkeiten bringen wird.

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