Der kleine Unterschied

Überall ist zur Zeit davon zu lesen, dass Frauen weniger als Männer verdienen.

So sehr mich dieser Umstand betrübt, muss ich doch gestehen, dass ich mit der allgemeinen Ausssage wenig anfangen kann. Abgesehen davon, dass sie auf ein diffuses Wohlstandsgefälle hinweist, sagt sie herzlich wenig aus. Und das unreflektierte, häufige Wiederholen macht die Sache nicht besser.

Verdient die Kassierin an der Supermarktkassa weniger als ihr männlicher Kollege, bekommen weibliche Beamte in der gleichen Gehaltsstufe weniger auf ihr Konto als die männlichen Beamten, ist die Hochschulprofessorin schlechter entlohnt als der männliche Akademiker?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da Unterschiede gibt – wenn doch, dann würde ich sehr gerne davon erfahren. Ergeben sich die Unterschiede aber aus unterschiedlichen Lebensarbeitszeiten, aus unterschiedlichen Karrierewegen oder aus gesellschaftlich geringer bewerteten Tätigkeiten (Stichwort Pflegeberufe), dann hilft mir der plakative Slogan nicht weiter. Denn dann ist die ungleiche Einkommensverteilung nur ein Symptom, aber eben nicht das Übel. Und Symptombekämpfung hilft frau/man nicht weiter.

Außerdem würden mich Einkommensverteilungen innerhalb der „Männergruppe“ interessieren. Denn das statistische Gehaltsmittel aus neun Hilfsarbeitern und einem Generaldirektor ist ungleich höher als aus zehn Hilfsarbeitern allein. Und die überproportional entlohnte Stelle eines Generaldirektors ist für die allermeisten Männer genauso ein unerreichbares Ziel, wie es für die meisten Frauen darstellt.

So gesehen würde mich eine grundsätzliche Diskussion über die gesellschaftlich ertragbaren Einkommensunterschiede mindestens genauso interessieren, wie die Diskussion in welcher Form bestehende Strukturen gerade Fraueneinkommen schmälern. Bei ersterem wird übrigens sehr schnell von Neidgesellschaft gesprochen und von der gerechten Entlohnung der Tüchtigen und Fleißigen – was die Übertragung dieser Argumentation auf die Frau-Mann Situation bedeuten würde, brauche ich wohl nicht näher auszuführen.

P.S: Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, Almende ist für eine verpflichtende Frauenquote von 40 %, Almende ist für ein verpflichtendes Elternjahr für Mann und Frau, Almende ist für einen Ausbau der Kinderbetreuung, Almende ist für eine generelle Bevorschussung von Unterhaltszahlungen, Almende ist gegen das getrennte Sorgerecht nach Scheidungen etc. etc.

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